Die Verkehrsmittel

Bevor der große Boom bei der Grand Tours ausbrach, gab es noch das 16. und 17. Jahrhundert, in denen auch schon diese Touren unternommen wurden. Wer in diesen frühen Zeiten der Grand Tours auf Reisen ging, hatte nur das Pferd als Fortbewegungsmittel. Erst während des 18. Jahrhunderts tauchte immer öfter die Kutsche auf den Straßen auf, die dann später als Verkehrsmittel eingesetzt wurden. Trotzdem soll es sogar einige seltene Fälle eigenwilliger Persönlichkeiten gegeben haben, die sich zu Fuß auf eine Grand Tour begaben. Als Beispiel wird hier gern unter anderem der Reiseschriftsteller Johann Gottfried Seume angeführt.

Wollten die Adligen nun mit ihrer ausgewählten Begleitung auf Reisen gehen, so konnten sie bei den Kutschen zwischen drei Möglichkeiten die Wahl treffen. So konnte für die Grand Tour die Reise in der eigenen Kutsche durchgeführt werden. Es konnte aber auch eine Mietkutsche oder die Postkutsche als Verkehrsmittel ausgewählt werden. An Komfort gewohnt, wollten viele Adlige natürlich mit ihrer eigenen Kutsche auf die Grand Tour gehen. Dies war schon deshalb der Fall, da sie in der Regel nichts vermissen brauchten und sich fast etwas wie zu Hause fühlen konnten. Auf vielen Straßen wurden damals Zollgebühren fällig. Zur Folge hatte dies wiederum, dass auch für die Kutschen Gebühren zu zahlen waren. Und diese Gebühren sind in ihrer Berechnung schon immer etwas höher an die anderen Kosten gewesen.

Eine weitere Möglichkeit der Bewältigung einer Grand Tour war das Mieten einer Kutsche. Gerade in den großen Häfen von Frankreich, wo die englischen Schiffe angelegten, waren dann ausreichend Mietkutschen vorhanden. Gewählt werden konnte hierbei wieder zwischen zwei Alternativen wählen. Es gab die Möglichkeiten, beim Mieten einer Kutsche gleich einen Kutscher mit zu erhalten, der einen dann für die Zeit der Reise begleitete. Je mehr die Reisenden bereit waren zu zahlen, desto sicherer war dann auch ein Kurier dabei. Dieser wurde dann stets vorausgeschickt und hatte gewisse Aufgaben zu erfüllen. So trieb es ihn jeweils zur nächsten Poststation, die er im Galopp erreichte. Bei einem kurzen Aufenthalt an einer Poststation galt es oftmals nur den Wechsel in die Wege zu leiten, so dass hier nicht zu allzu viel Zeit verbracht wurde. Sollte der Aufenthalt an dieser Poststation etwas länger dauern, so nahm er das eventuelle Quartier in Augenschein und bereitete alles soweit vor, dass auch hierbei keine Zeit verloren gehen konnte. Natürlich hatte dieser auch andere Funktionen, als nur diese vorbereitenden Tätigkeiten. Kannte er sich ganz besonders gut aus, so war er besonders für die Adligen Reisenden ein ganz wichtiger Ansprechpartner. So war er als Reiseführer aktiv und konnte durch sein gutes Wissen so manche Tür für Reisenden aus den anderen Ländern öffnen. Denn obwohl die Gäste sich vorgenommen haben, viel zu entdecken, gab es doch auch die kleinen Geheimnisse des Landes.

Als dritte Alternative, wenn die Reisenden eben nicht viel Wert auf Komfort legten, konnte die Fahrt mit einer Postkutsche durchgeführt werden. Dies brachte aber den weiteren Nachteil mit sich, dass es weitere Reisende in dieser Kutsche gab. Und trotzdem gab es auch wieder einen Vorteil, wenn die Postkutsche als Verkehrsmittel in den zu bereisenden Ländern ausgewählt wurde. Wenn andere Poststationen erreicht wurden, wurden diese Postkutschen oft bevorzugt behandelt. Sie erhielten dann eher neue Pferde als wenn andere Verkehrsmittel an dieser Station anwesend waren. Oft konnten die Reisenden und ihre Begleitung so ihren Weg auf der Grand Tour schneller fortsetzen.

Ganz gleich welche Kutsche auch gemietet wurde, so war doch die gleiche Anzahl an Plätzen vorhanden. Zwischen vier und acht Personen konnten mit einer Kutsche den Weg einer Grand Tour bewältigen. Unter Umständen gab es noch wenige weitere Sitze. Schließlich waren ja verschiedene Teilnehmer einer Grand Tour mit Reisebegleitung und weiterem Gefolge unterwegs. Und dabei konnten die Fahrten oft über Straßen führen, die sehr holprig beschaffen waren. Dies bedeutete oft, dass dort beispielsweise sehr viele unterschiedlich große Steine lagen. So hätte es auf einer Reise oft zu Erschütterungen kommen können, was durch die Wahl einer qualitativ hochwertigen Kutsche vermieden werden sollte. Von entscheidender Bedeutung war hierbei eine Federung, damit die Fahrt nicht so anstrengend wird, wie es sonst den Anschein gehabt hätte. Da es trotzdem zu Problemen während einer Fahrt kommen konnte, durch natürlich Werkzeug in entsprechender Menge nicht fehlen. So konnte dann eben mal schnell eine Reparatur durchgeführt werden. Oder war es erforderlich, Überquerungen bestimmter Regionen vorzunehmen, dann wurde eine Kutsche schon einmal auseinander genommen und folglich auch wieder zusammengesetzt. Um die Last des Gepäcks und der Passagiere bewältigen zu können, konnte es ebenfalls erforderlich sein, ergänzende Geschirre mitzunehmen. Je stärker die Steigung war, desto wichtiger war es, dass ein weiteres Pferd an die Kutsche mit angespannt werden konnte.

Natürlich bestand auch das Risiko von Unfällen mit den Kutschen gerade in Zusammenhang mit den schlechten Straßen. Das Risiko eines Unfalles erhöhte sich in dem Moment extrem, wenn sich die Wetterverhältnisse verschlechterten. So kam es beispielsweise leicht schon einmal zu einem Bruch der Achsen zum Umkippen einer Kutsche. Mögliche Unfallrisiken waren außerdem der vielleicht noch nicht so erfahrene Kutscher oder aber die Pferde, denen vielleicht die Reife für eine solche Grand Tour fehlte. Oder es wurden die falschen Pferde von Stallburschen ausgewählt, die vielleicht zu wild für eine solche Reise waren. Diese ging dann auch selten unfallfrei aus.

Nicht zuletzt war es in dieser Zeit üblich, dass die Passagiere von Kutschen oft in einen Straßenüberfall verwickelt wurden. Obwohl nicht ganz Einigkeit darüber besteht, wie die Situation damals wirklich war, gab es einige bekannte gefährliche Strecken für die jungen Adligen. Dort, wo hauptsächlich die Strecken einer Grand Tour vorbeiführt, bestand die größte Überfallgefahr. Am meisten jedoch hatten die Briganten es jedoch auf die Kaufleute des eigenen Landes abgesehen.