Die Unterkunft



Während einer Grand Tour gab es die Möglichkeit, in den Häusern der verschiedensten Kategorien unterzukommen. Die Breite reichte von ganz einfachen Unterkünften bis zu besseren Quartieren. Vier Aspekte spielten bei der Unterkunft eine entscheidende Rolle.

  • So gab es bei den Unterkünften verschiedene Typen, wie zum Beispiel das Quartier in einer Poststation. Dort konnten die Reisenden oft sehr preiswert übernachten. Dafür mussten sie aber auch in Kauf nehmen, dass diese Unterkünfte kaum Komfort in einem derartigen Quartier zu erwarten war. In der Regel fand hier die Übernachtung sogar in einem Pferdestall statt. Es gab so zu dieser Zeit auch Postationen, die dementsprechend auch einen besonders negativen Ruf hatten. Dazu gehörte die Station Radicofani, die an der Via Francigena lag. Diese Straße wurde damals sehr stark genutzt, was dann auch für die Poststation galt.
    Jedoch gab es nicht nur die ganz einfachen Unterkünfte. Es gab auch hochwertigere Quartiere, die den gehobenen Ansprüchen der Reisenden eher gerecht wurden. Zu finden waren diese ganz besonders auch in der Nähe von Poststationen und von Hauptstraßen. Dort waren sie dann der erste Anziehungspunkt für die anspruchsvollen Sprösslinge. Wollten diese jedoch in der Innenstadt übernachten, so waren auch dort die entsprechenden Unterkünfte zu finden.
  • Es konnte jedoch bei den Unterkünften auch erhebliche Unterschiede geben. So gab es zunächst einmal relativ einfache Pensionen, Wirtshäuser und Herbergen. Dort waren dann die Leistungen auch eher einfacher Natur. Hier warteten auf die Reisenden eine Schlafstelle sowie das Essen. Es konnte aber auch das Wäschewaschen dazu gehören. Mehr Ansprüche erfüllten dagegen Hotels und Gasthöfe. Diese waren in der Regel in Städten ab einer bestimmten Einwohnerzahl zu finden. Hier kam es dann schon einmal vor, dass sich die Adligen oft wie zu Hause gefühlt haben. Schließlich fanden sie beispielsweise schon mal ein Baldachinbett vor. Zinnteller gaben dem Essen einen edleren Anstrich und auch das sonstige Geschirr hatte eine besonders elegante Note. Da fehlte dann bloß noch die eigene Familie und der Verwöhneffekt wäre ideal gelungen gewesen.
    Es gab Reisende, die nicht nur mit einer reichlichen Ausstattung ihre Grand Tour antraten. Mitunter wurde den jungen Reisenden ein Empfehlungsschreiben mitgegeben. Diese sollte es möglich machen, dass auch Privathäuser als Unterkunftsmöglichkeit in Betracht kamen. Doch traf dies nur ganz selten zu. Schließlich sollten die Privathäuser doch nur Gäste empfangen, die nicht aus einfacheren Kreisen kamen. Wer aus dieser Gruppe der Gesellschaft kam, hatte oft auch nicht so viele Kontakte, als ein Gast aus den höheren Ebenen. In der Regel waren ja zu dieser Zeit gerade Adlige mit vielen weiteren Adligen auf der Welt direkt oder indirekt verwandt. Somit hatten sie sehr, sehr viele Verbindungen auf der ganzen Welt, was heute als Netzwerk bezeichnet wird.
  • Und dann gab es auch noch das etwas andere Ambiente, dass Reisende jeglicher Herkunft genießen konnten. Nicht jede Nacht wollten sie schließlich allein verbringen und waren auf der Suche nach Gesellschaft. Dabei waren die Zimmerwirte ein guter Ansprechpartner, wenn etwas Geld für diese heraussprang. Den Zimmerwirten waren nämlich Damen bekannt, die gern mal den Gästen die Nacht versüßen würden. Unter allen Städten, in denen Reisende auf einer Grand Tour zu Gast waren, gab es eine Stadt mit hartnäckigen Kupplern und Huren. So leicht sind die Menschen diese Leute gar nicht mehr losgeworden, wenn sie erst einmal als Grand Tour-Reisende erkannt wurden. Letzten Endes erfolgte dann doch eine Zustimmung, denn schließlich war ja eines der Ziele dieser Reise, dass auch Erfahrung im erotischen Bereich gesammelt werden sollte. Doch es war eher ein Ziel, dass es im Geheimen gab. Niemals wurde öffentlich über dieses Ziel gesprochen.
    Bei diesen Gelegenheiten wollten die jungen Herren natürlich auch allein und ungestört sein. Diese war jedoch nicht so leicht möglich, je einfacher das Quartier war, in dem übernachtete wurde. Dort konnte nicht abgeschlossen werden, nachdem das Zimmer betreten wurde. Dies sollte natürlich auch zu einem Risikofaktor werden, war es doch nun ganz leicht möglich, an die Habseligkeiten der Reisenden zu gelangen. Oftmals wurde zu dieser Zeit vorschlagen, dass mit einem Schloss Vorsorge vor diesen Gefahren getroffen werden kann.
  • Doch dies waren noch längst nicht alle Probleme und Gefahren, die während der Zeit in der Unterkunft auf Adligen mit ihren Reisebegleitungen warteten. So war die Hygiene auf den Reisen mitunter ein sehr großes Gefahrenrisiko, da diese oftmals sehr mangelhaft durchgeführt wurde. Schon allein das Bettzeug wurde nie so gut gepflegt und sah schon dementsprechend aus. Auch die Wertigkeit der sonstigen Gegenstände, die zum Schlafen gehören, ließen sehr zu wünschen übrig. Kleine Gäste, beispielsweise in Form von Flöhen, waren dort keine Seltenheit in den Quartieren.
    Unter dem riesengroßen Gepäck, mit dem die jungen Herren unterwegs waren, befanden sich die gängigen Materialien wie beispielsweise Kissen. Wer hierbei natürlich entsprechend anspruchsvoll war, fiel beim Gepäck schon damit auf, dass ein Bett nicht fehlen durfte. Um besonders vor dem Befall durch diese kleinen Gäste geschützt zu sein, wurden natürlich die entsprechenden Wirkstoffe mitgeführt. So bestand eine gute Möglichkeiten, all dieses kleine Geziefer zu bekämpfen.