Der Bedeutungsrückgang der Grand Tour



Nach vielen Jahrzehnten des absoluten Booms auf der Grand Tour zeichnete sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts bereits ein Wandel ab. Schließlich veränderten sich zu dieser Zeit auch die Gedanken. Hohe Ideale der Kultur bestimmten damals das Denken des Adels, die in den Klassizismus eingestuft werden konnten. Bisher war es von Bedeutung gewesen, das der Antike gehuldigt wurde. Auch waren der Humanismus und die Architektur der Renaissance von entscheidender Wichtigkeit. Dies alles verlor nun im 19. Jahrhundert ganz entscheidend an Wert, da die Romantik in den Gedanken in den Vordergrund rückte. Von nun an zählte beispielsweise das Mittelalter in Europa sowie auch das Interesse an der Gotik stetig wuchs. Doch dieser Wandel kam nicht von ungefähr. Schließlich gab es Schriftsteller, die dieser Zeit ein beeindruckendes Bild verliehen. Dazu gehörte beispielsweise Walter Scott, der den Roman Rob Roy schrieb. Ein weiterer Schriftsteller dieser Zeit war William Wordsworth, der in der englischen Bewegung der Romantik war. Doch auch Maler wie William Blake verliehen dieser Zeit eine Stimmung der Romantik. Dieser war aber nicht nur als Maler sondern auch als Dichter aktiv. Mittlerweile war es dann so, dass nicht immer eine Fahrt nach Südeuropa erfolgen musste, um einen Einblick in diese Zeugnisse der Zeit zu bekommen. Vielmehr reichte der Aufenthalt in England aus, um sich dem Studium dieser großen Künstler zu widmen. Mitunter konnte dabei dann auch ein Aufenthalt in Schottland erfolgen, der die Gedanken dieser Künstler näher bringen konnte.

Nun war es aber nicht mehr weit, bis die Grand Tour endgültig an Bedeutung verlieren sollte. Schließlich gab es die Französische Revolution, die im Jahr 1789 begann und bis 1799 dauern sollte. Mit ihr wurde das Bild der Zeit ganz erheblich verändert, denn schließlich war der Ständestaat nun nicht mehr von Wichtigkeit. Somit war die Revolution eines der bedeutendsten Ereignisse dieser Zeit. Denn nunmehr gewann das Bürgertum immer mehr an Bedeutung, auch wenn Gedanken des Adels zunächst noch weiterlebten. Dies zeigte sich auch darin, wie das Bürgertum in diesen ersten Jahren nach der französischen Revolution lebte. Da war es auch noch etwas Besonderes, wenn vereinzelte Bürger sich auf eine Grand Tour begaben. Doch dann prägte auch der Fortschritt das Bild des 19. Jahrhunderts, als die ersten Eisenbahnstrecken das Bild der Länder bereicherten. Somit gab es mehr Möglichkeiten, dass Menschen aus den unterschiedlichsten Kreisen Reisen in verschiedene Regionen antreten konnten. Je mehr die Eisenbahn die Landschaft veränderte, desto mehr Urlaubsmöglichkeiten gab es, die zudem preislich für viele einfach zu erreichen waren. Schließlich war es sogar möglich, dass sogar in den immer mehr aufkommenden Fabriken einfachere Arbeiter in Urlaub fahren konnten. Ihr Ziel waren dabei Seebäder, ganz gleich ob in England oder in Frankreich. Damit war der Grand Tour das ganz besondere entscheidende Etwas genommen worden. Der Adel fühlte sich nunmehr nicht mehr so wohl bei der Grand Tour, die ihren Reiz verloren hatte, weil jetzt plötzlich jeder Reisen konnte.

So wurde Rom durch die Westminster Review im Jahr 1825 mit anderen Augen betrachtet. Es wurde festgestellt, dass Menschen aus allen Klassen nunmehr hier zusammen kommen. Daher konnten Adlige der ganz oberen Klassen auf ganz einfache Leute treffen. Zur Folge hatte dies, dass die Tatsache der Vermischung der Klassen in populären Reisezielen nicht gern gesehen war. Deshalb wurde der Ausbau der Eisenbahn auch nicht gern gesehen, weil immer mehr Menschen damit die Möglichkeit geschenkt wurde, eine Reise anzutreten. Unter anderem wollte einer der führenden Schriftsteller von England, William Wordsworth, den Ausbau des Netzes der Eisenbahn verhindern. Denn es durfte doch nicht sein, dass nun plötzlich auch ganz einfache Leute reisen durften. Es wäre doch in den Augen von ihm vielen anderen Schriftstellern völlig unwichtig, wenn diese einfach so auf Reisen gingen. Der englische Erzähler Edward Morgan Foster fand dann auch in seinem Roman „Zimmer mit Aussicht“ die richtigen Worte. Mit Ironie und trotzdem liebevoll wird hier dauerhaft der Grand Tour gedacht. Einst hatte schließlich die Grand Tour einen adligen Touch, der sich nun zu einem bürgerlichen Charakter veränderte. Schließlich konnten immer mehr Menschen aus den verschiedensten Schichten mal eben auf Reisen gehen, um sich zu erholen. Daher war eine logische Folge, dass die Jahre des 20. Jahrhunderts nach und nach den Tourismus für die Massen eröffneten. Diese Ideale, die einst die Grand Tour beherrschten, sind auch noch im 20. Jahrhundert in Spuren feststellbar. Denn auch heute noch wird die Reiselust der Amerikaner und der Japaner von der Grand Tour beeinflusst. Schließlich möchten doch die Reiselustigen mehr über den Ursprung der Kultur in Europa erfahren. Selbst der Reisebranche ist die Grand Tour noch immer ein Begriff und nie ganz weg von der Geschichte und dem Tourismus gewesen.